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  DAS HÄHNCHEN VON SEINER SCHÖNSTEN SEITE.

Was sind die aktuellen Trends in der Food-Fotografie? Und wie bringt sie das richtige Papier zur Geltung? Palette hat bei dem renommierten Hamburger Still Life-Fotografen Jörg Kritzer nachgefragt.

Palette: Herr Kritzer, was macht das perfekte Food-Bild aus?

Jörg Kritzer: Grundsätzlich setzt sich das Ganze zusammen aus einer guten Idee, guten Produkten und einem interessanten Styling, wobei Styling nicht bedeutet, dass bei einem Tellergericht das Fleisch links und die Kartoffel rechts liegt. Hier kommt der Food-Stylist ins Spiel, für mich eine der wichtigsten Personen. Wenn es gut läuft, bilden Fotograf und Stylist eine Einheit und versuchen, dem Bild einen Touch Eigenständigkeit zu geben – auch wenn der Kunde natürlich in der Regel vor allem sein Produkt sehen will. Dann sollten die Objekte natürlich diesen berühmten Food-Appeal haben, also ein bisschen überreal wirken, was ja für die Werbefotografie allgemein gilt. Dazu gehört, dass man mehr oder weniger idealisierte Lebensmittel benutzt. Wenn man z. B. ein gebratenes Stück Hähnchen hat, muss es bestimmten gelernten Idealvorstellungen entsprechen.

P: Und die haben mit dem, was in der Realität auf den Tisch kommt, nicht viel zu tun?

J. K.: Beim Hähnchen wird z. B. nur die Haut mit dem Gasbrenner gebräunt, das Tier aber nicht als Ganzes gegart, weil es dabei zu viel Fett und Wasser verlieren und die Haut schrumpelig werden würde, wir wollen aber eine straffe Haut. Schwer in Szene zu setzen sind zum Beispiel auch Kräuter, Bierschaum, Sprudel, Eis, also alles, was sich nicht besonders lange hält. Denn man will sich ja auch ein bisschen mit dem Gegenstand beschäftigen. Aufnahmen von Eis werden deshalb nur noch in Ausnahmefällen mit echtem Eis gemacht, da hat der Eis-Stylist seine geheime, hitzeresistente Mischung.

P: Welche ästhetischen Trends beobachten Sie derzeit in der Food-Fotografie?

J. K.: In den letzten 20, 30 Jahren hat vor allem die übersteigerte Ästhetik der Werbung unser Bildempfinden beeinflusst. Eine andere interessante Geschichte ist, wie man eine Situation wahrnimmt: Sie soll nicht mehr unbedingt arrangiert erscheinen, eher wie im Vorbeigehen, angeregt auch durch die MTV - Ästhetik, die erst durch den Videoclip entstanden ist, dass man etwas in einer Zehntel - sekunde sieht. In der Food-Fotografie gibt es, sicher dadurch beeinflusst, eine Tendenz zu sehr starken Unschärfen, zu einer Art Momentaufnahme-Situation, die den Augenblick nachstellt, in dem das Auge nur einen ganz bestimmten Punkt fokussiert, während der Hintergrund oder das, was danebenliegt, weich verschwimmt. Früher ging es immer um hell und scharf, Hauptsache, man konnte alles gut erkennen. Mit dem fotografischen Know-how, das wir heute haben, können wir ganz anders ausleuchten und Akzente setzen. Glanz spielt zum Beispiel eine besondere Rolle, durch die Fette und Flüssigkeiten, die beim Garen austreten, glänzen die meisten Speisen ja. Mit dem Glanz gezielt umzugehen, etwa durch die Ausleuchtung, ist heute eine besondere Herausforderung für Food-Fotografen.

P: Welches Papier bringt diese Effekte denn besonders zur Geltung?

J. K.: Im Moment beobachte ich einen Trend zu matteren Papieren, bedingt wohl auch durch die bereits erwähnte selektive Schärfe, die sich nur auf einen bestimmten Bereich des Bildes bezieht. Matte Papiere sorgen dafür, dass die Kontraste nicht so stark betont werden, und sind ideal für Bilder, die sich nicht durch starke Farben auszeichnen. Glänzende Papiere bringen dagegen ja schon von sich aus einen hohen Kontrast mit, weil sich da Lichter einspiegeln, und bei bunten Bildern ist die Farbbrillanz natürlich besser. Hochwertige Kochbücher zum Beispiel sind derzeit eher seidenmatt als hochglänzend, aber das ist natürlich nur ein Trend von vielen.

P: Welche Rolle spielt der Weißegrad des Papiers?

J. K.: Kommt ganz auf das Objekt an. Sehr weiße Papiere erzeugen ja eine eher bläuliche Reflektion – was sich gut für die Darstellung von kühleren Motiven wie z. B. Fischen eignet, bei warmen Motiven aber eher künstlich wirkt. Was die Farbsättigung und die Farbausrichtung angeht, kann man für einen modernen Food-Appeal fast immer ein bisschen wärmer werden. Das sieht natürlicher aus, denn bei den meisten Food- Objekten dominieren ja eher Rot-, Gelb- oder Grüntöne, auch die meisten Getränke gehen in diesen Bereich.

P: Und wann kommt der nächste Retro-Look auf uns zu – grellbunte, in Reih und Glied sortierte Schnittchen, wie wir sie aus den Kochbüchern der Siebziger kennen?

J. K.: Das gibt es natuürlich auch, aber eher auf einer experimentellere Ebene, um Aufmerksamkeit zu erregen. Im Mainstream, also bei einem Kochbuch, das die grosse Masse ansprechen soll, sind wir noch nicht wieder so weit. Ich habe bis jetzt auch noch keine Anzeige von großen Food-Herstellern gesehen, die in so eine Richtung geht.

P: Setzt Food-Fotografie also Trends oder spiegelt sie diese eher wider?

J. K.: Ein bisschen von beidem. Trotzdem glaube ich, dass die Food-Fotografie nicht so stark Moden unterworfen ist wie etwa die Modefotografie. Den bewährten, nicht mehr ganz neuen Trend in der Still Life- Fotografie, mit selektiver Schärfe zu arbeiten, hat man vor ein paar Jahren für den Food-Bereich adaptiert, und im Mainstream wird diese Ästhetik immer sehr gut aufgenommen. Parallel ist natürlich die Suche nach neuen Darstellungsformen ständig in Gang. Ich suche mir auch immer wieder Sujets, die ich fotografisch so behandeln kann, wie ich Lust habe, oder wo ich das Gefühl habe, da kann man was Interessantes rausholen und das eigene Profil schärfen.




 
   

 
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